20 Jahre Gattersäge in Sinsheim

Heute vor 20 Jahren nahmen wir in Sinsheim die historische Gattersäge in Betrieb. Seit 24. August 2000 können unsere Gäste diese große Säge täglich in Gang setzen und sehen, wie die Holzgewinnung vor über 150 Jahren vonstattenging. Unser Werkstattleiter Holger Hamann erinnert sich, wie die Säge nach Sinsheim kam…

Es war Ende 1999 als der damalige Museumspräsident der Technik Museen Sinsheim Speyer, Eberhard Layher, zu mir kam und meinte: „Herr Hamann, ich habe da eine alte Gattersäge liegen…eine ziemlich alte…eine ziemlich heruntergekommene. Schauen Sie mal, ob Sie diese zum Laufen bringen können.“  So lag da vor mir ein riesen Haufen Schrott – Stahl und Holz - von 1870. Ich wusste nicht einmal, was das ist, konnte damit ja gar nichts anzufangen. Den Ausdruck „Gattersäge“ hatte ich bis dahin noch nie gehört.

So habe ich mich dann mit Lesematerial eingedeckt, um mich über solche Art von Sägen zu informieren. Denn es gab doch tatsächlich hundert verschiedene Sorten von Gattersägen und ich wusste nicht, wie die Säge, die da vor mir lag, zusammengebaut aussieht. Damals gab es ja tatsächlich noch ein paar kleine Museen, die solche Sägen ausstellten. So auch eine Sammlung im Schwarzwald: Dort stand eine baugleiche Säge. Wir haben diese abfotografiert und unser Exemplar dann, den Fotos folgend, zusammengebaut. Die Holzbalken und Bogen hielten wir aneinander, die Löcher passten zusammen – so setzten wir die Säge eins zu eins zusammen. Wenn man weiß, wie die Teile zusammengehören, ist es wie Lego.
Im Januar/Februar 2000 lief sie dann zum ersten Mal. Als der Museumspräsident seine Säge in Aktion sah, freute er sich riesig. Ihm standen Tränen in den Augen. Wie es aussah, war es für ihn eine Herzensangelegenheit, diese wieder zum Laufen zu bringen. Ein weiterer Grund zur Freude war, dass diese Säge autark, ganz ohne Personal lief. Das war schon eine kleine Sensation. In jedem anderen Museum werden sie von Mitarbeitern in Gang gesetzt.

Dann musste noch die Frage geklärt werden, wo soll sie stehen? Bis dato hatten wir ja keinen Standort für die Säge. Wir wollten erst einmal schauen, wie groß das Ganze sein wird. Generell hatten wir für dieses 20 Meter große Exponat überhaupt keinen Platz. Wir mussten anbauen: An der Halle 1 den Hang abgraben, eine Betonplatte gießen und die Säge reinstellen. Danach kamen die Wände und das Dach hinzu.

Täglich schauen wir nach der alten Dame - schließlich läuft sie seit 24. August 2000 mehrmals täglich. Und obwohl unsere Säge von ca. 1870 ist, könnt sie noch heute Holz sägen.

Generell ein paar technische und historische Infos zur Gattersäge:
Bis auf die Einfassungen und dem einzelnen Sägeblatt besteht die ganze Säge aus Holz.  Angetrieben wurde das Ganze von Wasserkraft. Bis zur Ausmusterung hatte sie ihren Einsatz in Geislingen an der Steige. Man konnte Stämme mit maximal 12 Meter Länge spannen, um große schwere Balken zu sägen. Zur Zeit dieser Säge wurden die Stämme im Wald von Hand abgesägt, oftmals noch auf den Flüssen geflößt und in den Sägewerken dann weiterverarbeitet. An jedem Bach gab es solch ein Sägewerk. Die Sägen gab es in verschiedenen Größen. Unsere in Sinsheim ist eine senkrechte Gattersäge – andere haben ein waagrechtes Sägeblatt. Man musste einen Baumstamm mehrere Male hin und her schieben, bis er kleingesägt war. Mit nur einem Sägeblatt ging es nun mal nicht schneller - für mehr Sägeblätter hat die Wasserkraft einfach nicht gereicht. Mit Hilfe der Dampfmaschine und von Elektromotoren haben sich die Gattersägen stark verändert: Dank mehrerer Sägeblätter waren große Balken problemlos klein gesägt.

Wer sich für die Holzgewinnung vergangener Tage interessiert, der sollte das Treffen von Freunden historischer Sägemaschinen am 29. und 30. August 2020 besuchen. An zwei Tagen wird der Museumshof zu einer Sägewerkstatt umfunktioniert: Hacken, spalten und sägen. Hier führen die Mitglieder des Oldtimer Schlepper Club Kurpfalz vor, wie mühsam früher Brennholzgewinnung war. Interessierte haben die seltene Möglichkeit, historische selbstfahrende Sägemaschinen ab Baujahr 1932 sowie Zweimann-Handzugsägen in Aktion zu erleben. Mehr Informationen zum Treffen gibt es hier

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