Mein großer Traum ist es, erfolgreiche Dragsterfahrerin zu werden

Chantal Wagner hat Benzin im Blut. Schon mit zwei Jahren wollte sie Motorsportlerin werden. Mit fünf fuhr sie zum ersten Mal Quad. Heute ist die 14-jährige vierfache Deutsche Meisterin in dieser Disziplin und hat letztes Jahr angefangen im Rennstall von Gerd Habermann, dem mehrfachen German Dragrace Champion und Europarekordhalter, Junior Dragster zu fahren. Mitte Mai war sie bei uns im Technik Museum Sinsheim und ist mit ihrem Dragster eine Runde auf dem Parkplatz gefahren.

„Dass ich zum Motorsport gekommen bin, ist eigentlich ganz logisch. Schon mein Opa Klaus war Motorsportler, genau wie meine Eltern. Mein Großvater fuhr Seitenwagen Gespann, mein Vater Quad und meine Mutter Kart. Mit zwei Jahren war ich auf meinem ersten Motorradrennen. Als kleines Kind dachte ich damals „Ich will das auch!“. Mit vier hatte ich dann mein erstes kleines Motorrad, mit dem ich immer auf dem Feld fuhr… bis ich hingefallen bin. Da war mir dann klar: „Nein, das will ich doch nicht!“

Irgendwann sagte ich dann zu meinem Opa, dass ich genau wie mein Vater, Quad fahren möchte. Er hat mir dann ein Quad gekauft und so hat alles seinen Lauf genommen. Die Schnelligkeit und durch den Dreck zu fahren, das hat mir immer besonders Spaß gemacht. Insgesamt bin ich sieben Jahre Quad gefahren. 2012 habe ich angefangen Rennen zu fahren, war aber die ersten zwei Jahre nicht sehr erfolgreich - ich war ja Anfängerin. Im dritten Jahr bin ich dann Deutsche Vizemeisterin geworden. Die folgenden Jahre waren dann sehr siegreich für mich. Ich wurde vier Jahre in Folge Deutsche Meisterin.

Zum Drag Racing bin ich wieder durch meinen Großvater gekommen, er hat an so was immer Schuld. Er hat mich gefragt, ob ich mit ihm zum Hockenheimring zu den NitrOlympix fahren wolle. Ich wusste nicht, dass das eine Drag Racing Veranstaltung war, aber er wollte es mir unbedingt zeigen. Dort hat es mir sofort total gefallen.

Bei den NitrOlympix haben wir auch Gerd Habermann zum ersten Mal getroffen und uns angefreundet. Ich war dann auch bei ihm in der Box und er hat uns erzählt, dass er einen Junior Dragster besitzt, den er gerne verkaufen möchte.

Zu gleichen Zeit habe ich mir damals überlegt, mit dem Quadfahren aufzuhören. Ich war eine Klasse aufgestiegen, aber in dieser dann die einzige Fahrerin, das hätte nicht funktioniert.
Drag Racing wollte ich dann unbedingt ausprobieren. Wir haben ausgemacht, wenn es mir Spaß macht, kaufen wir den Dragster von Gerd.

Ich war im Oktober 2019 mit Gerd in Zerbst in Sachsen-Anhalt. Dort finden auf einem ehemaligen Militärflugplatz regelmäßig Dragster Rennen statt. Am Abend vor meiner allerersten Fahrt und ersten Rennen bin ich mit Gerd die Strecke entlanggefahren. Er mit dem Roller voraus, ich mit dem Dragster hinterher. Er meinte „Gib mal Gas!“, und da ich nicht wusste, was auf mich zukommen würde, gab ich Gas! Was dann passierte, war wirklich ein anderes Gefühl! Das Adrenalin, das man ausschüttet, wenn man so schnell ist! In Zerbst bin ich von elf Teilnehmern sofort zweite geworden. Also haben wir den Dragster gekauft. Letzten Januar kam noch ein zweites Fahrzeug dazu. Jetzt fahre ich für Gerd im Rennteam. Er hat schon immer Nachwuchsfahrer unterstützt. Er transportiert die Dragster zu den Rennen und lagert sie über Winter bei ihm. Er hilft uns immer, wenn etwas kaputt ist.

In Santa Pod (Anm.: Drag Racing Rennstrecke in England) ist normalerweise immer das erste Rennen im Jahr. Dieses Jahr ist es aufgefallen. Was dieses Jahr stattfinden wird, wissen wir leider noch nicht. Momentan kann ich also nicht fahren, das ist schade. Samstags sind sonst immer unsere Eliminations, die Qualifikationsläufe. Pro Lauf kommt dann nur einer weiter, der Langsamere fliegt raus. Durch die Fahrten am Wochenende trainiere ich also auch, weiß wie schnell ich bin, kann aufsteigen und besser werden.

Bei den Rennen reisen wir immer ca. eine Woche vorher an. Für die Rennen in England an Ostern hätte ich sogar schulfrei bekommen. Einer meiner Lehrer meinte: „Hobbies sind wichtiger als Schule“. Gott sei Dank unterstützen mich meine Schule, meine Familie und auch meine Freunde. Meine Klassenkameraden finden es cool, ein Mädchen an der Schule zu haben, das Motorsport macht.

Ich fahre jetzt seit letztem Oktober Dragster und das ist meine Zukunft. Es ist einfach ein tolles Gefühl – du schaust auf die Ampel, sie wird grün, dann schießt du los von 0 auf über 100 km/h in so wenigen Sekunden. Ich mag das! Auf der Achtelmeile schafft mein Dragster 140 km/h. Mit dem Quad bin ich gerade mal 65 km/h gefahren.

Mein großer Traum ist es, erfolgreiche Dragsterfahrerin zu werden - so erfolgreich wie Gerd.“

Bevor Chantal ihr Können unter Beweis stellte, nutze der Museumspräsident die Gelegenheit, mit dem Dragster-Nachwuchstalent zu quatschen:

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