Vor 60 Jahren ...

Meilenstein im „Space Race“: Die ersten Menschen im All
Baikonur, 12. April 1961, 7:10 Uhr: Juri Alexejewitsch Gagarin steigt die knapp 40 Meter zur Spitze der riesigen R7-Rakete hinauf und klettert dort in die Kapsel des Wostok-Raumschiffs. Der Countdown läuft, über Kopfhörer wird der wartende Kosmonaut mit Musik versorgt. Um 9:07 Uhr ist es so weit: Fünfmal vier Raketentriebwerke, perfekt abgestimmt in ihrem „kosmischen“ Zusammenspiel, befördern die Wostok mit Gagarin an Bord in den Himmel. "Pojechali!" („Auf geht’s!“) – mit diesen Worten verabschiedet sich der Kosmonaut in den Weltraum.

Der erste Mensch im All überfliegt bei seiner Erdumrundung die Halbinsel Kamtschatka, dann geht es weiter über Hawaii und den Pazifik westlich der nächtlichen chilenischen Küste, über die Magellanstraße, den Atlantik und Afrika … Um 10:55 Uhr öffnet sich schließlich die Luke der Kapsel für den Schleudersitz des Kosmonauten, der 10 Minuten später nahe der Stadt Engels an der Wolga wieder auf dem Boden seines Heimatplaneten steht. Ein großer Erfolg!

Und eine Portion Glück, denn es war in dieser Weltraummission bei Weitem nicht alles glatt gegangen: Kaum hatte der startbereite Gagarin in der Wostok-Kapsel Platz genommen, meldete eine Anzeige im Raumschiff, dass die Luke nicht korrekt verriegelt war – eine Herausforderung, die von der Bodenmannschaft rund um Chefkonstrukteur Sergej Koroljow, den „Vater der sowjetischen Raumfahrt“, jedoch bei weiterlaufendem Countdown gemeistert werden konnte: Drei Techniker entfernten alle 30 Sicherungsschrauben und verschlossen die Luke ein zweites Mal. Dass der erste Mensch im All wieder glücklich auf der Erde landen konnte, war ebenfalls keine Selbstverständlichkeit: Zehn Sekunden nach dem Beginn der Zündung der Bremsraketen für den Wiedereintritt kam es zu heftigen Rotationen, weil das Versorgungsmodul sich nicht wie geplant von der Landekapsel trennte. Erst etwa 10 Minuten später, als durch die Hitze beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre mehrere Kabel durchschmorten, kam die Kapsel frei und der Kosmonaut konnte sie wie geplant durch die Ausstiegsluke auf 7000 m Höhe mit dem Schleudersitz verlassen.

Die Sowjetunion und ihre Führer waren in Triumphlaune – mit Gagarins Pionierflug war es ihnen nach Sputnik gelungen, im „Space Race“ der beiden Supermächte erneut die Nase vorn zu haben.

Der erste Amerikaner im All
Nur kurze Zeit später sorgten der Raketeningenieur Wernher von Braun, Raumfahrt-Held in den USA und Koroljows Gegenspieler im „Space Race“,  und sein Team in Amerika für eine Nachricht zum Jubeln: Am 5. Mai 1961, nur 23 Tage nach Gagarins Pionierflug, trat mit Alan B. Shepard der erste Amerikaner seinen Flug ins All an. Shepard bestieg das Mercury-Raumschiff Freedom 7, das sich an der Spitze einer Redstone-Rakete befand. Der Start musste mehrfach verschoben werden, doch um etwa 9:30 Uhr begann der Countdown für den 15-minütigen Flug, der den Astronauten auf 187 m Höhe brachte. Anders als bei Gagarins Flug schwenkte Shepards Freedom 7 allerdings nicht in den Orbit ein, sondern absolvierte lediglich einen Suborbitalflug, da die Redstone-Rakete nicht genug Schubkraft hatte, um die Kapsel in die Umlaufbahn der Erde zu schießen.  Shepard war auf seiner Reise etwa 5 Minuten schwerelos. Der Wiedereintritt und die Wasserung im Atlantik nahe den Bahamas klappten hervorragend. Millionen von Menschen hatten das Geschehen vor dem Fernseher oder am Radio verfolgt und waren begeistert.

Und so ging es weiter …
Doch die USA fühlten sich herausgefordert. Präsident Kennedy war nicht bereit, sich mit einem zweiten Platz in diesem Rennen zu begnügen. Er wollte jetzt Nägel mit Köpfen machen – und einen zielgerichteten konkreten Plan erstellen, wie man die Sowjets im „Space Race“ nachhaltig überholen konnte. Im Erdorbit, so viel war klar, war das Spiel weitgehend ausgereizt, hier gab es für die USA nichts mehr zu gewinnen. Der nächste große Wurf musste also ein spektakuläres, ehrgeiziges Ziel außerhalb des Heimatplaneten sein. Wernher von Braun hielt es für realistisch, mit einem Sofortprogramm noch vor den Sowjets einen Menschen auf dem Mond zu landen. Am 25. Mai 1961 präsentierte Kennedy in seiner legendären Rede vor dem amerikanischen Kongress das große Ziel, vor dem Ende des Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond zu landen und sicher wieder auf die Erde zurückzubringen. Damit war nun ein neues Kapitel eröffnet: Das „Space Race“ wurde abgelöst durch den „Wettlauf zum Mond“.

Zu sehen im Museum:
Im Technik Museum Speyer erinnern zwei eindrucksvolle Exponate an die ersten Menschen im All vor 60 Jahren: Europas größte Ausstellung zur bemannten Weltraumfahrt „Apollo and Beyond“ zeigt eine Replik des orangefarbenen Raumanzugs von Juri Gagarin und eine faszinierende Nachbildung seines Wostok-Raumschiffs. Alan B. Shepards Suborbitalflug und das amerikanische Mercury-Programm werden durch eine Replik des berühmten Mercury „Silver Spacesuit“ gewürdigt.

Bildquelle: Gerhard Daum

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