Wie wir zur Tupolev Tu-144 kamen

Die Concorde war unser ewiger Wunschtraum. Eine Concorde zu bekommen schien in den 80er Jahren etwas völlig unmögliches. Selbstverständlich haben wir uns in Sachen Concorde immer wieder jahrelang mit der Air France in Verbindung gesetzt, so nach dem Motto „solange die Concorde noch fliegt, soll sie fliegen, aber wenn sie einmal nicht mehr fliegt, würden wir uns gerne bewerben“. Die Aussicht auf Erfolg lag vielleicht bei 2 %. So haben wir auch nach allem anderen, was Concorde-ähnlich war die Flügel ausgestreckt, z.B. nach einem englischen Vulcan-Bomber. Dieser war ja das Ur-Modell, aus dem wohl später die Concorde entwickelt wurde. Dieser hat auch Delta-Flügel. Leider waren wir für diesen Bomber zu spät. Diese waren schon alle verschrottet. Es gibt Gott sei Dank noch ein fliegendes Exemplar, das ein englischer Verein am Laufen hält. In Goodwood habe ich diesen Vulcan erlebt. Es ist unglaublich, wie laut dieser Bomber ist.

Eine unserer Optionen war das Tupolev-Werk in Moskau. Wir haben die Leute angeschrieben. Damals gab es noch die Briefbögen mit einem ganz dünnen gelben und einem ganz dünnen roten Durchschlag. Wir haben dort sehr freundlich geschrieben und uns um eine Tupolev TU 144 beworben und hatten nie eine Antwort bekommen.

Wir haben dann in Kiew die Antonov AN-22, das größte Transportflugzeug mit Propeller-Motoren erworben. Dies war in der wilden Zeit nach den Grenzöffnungen. Wir haben in Kiew unsere Zusagen präzise eingehalten. Das Flugzeug ist bei uns gelandet. Auf der damals noch 1.000 m langen Speyerer Landebahn haben wir im Eckbereich alles abgesperrt, falls der Flieger nicht bremsen kann, dass keiner zu Schaden kommt. Gott sei Dank hat dies alles geklappt.

Später im Jahr, nachdem wir dieses Flugzeug in Speyer in Empfang genommen hatten, meldete sich eine Delegation von russischen Bürgern bei uns im Museum. Es war die Zeit der weltweit berühmten Hannover Messe. Angeführt wurde die Delegation von Herrn Pukhov. Pukhov war damals der technische Konstruktions-Chef bei Tupolev. Pukhov hatte diesen dünnen gelben Durchschlag dabei von unserem Schreiben, das zu diesem Zeitpunkt schon 10 Jahre alt war und fragte uns ganz unverblümt, ob wir denn noch Interesse an der Tupolev hätten. Er hat uns gesagt, dass Tupolev noch eine Maschine für uns freimachen könnte, die noch im Werk stehen würde. Wir waren alle wie vom Donner gerührt. Es war eine unglaubliche Sache. Die letzte Transportgeschichte war gerade vorbei und so war uns dieser Biss doch etwas groß. Ich habe dann in unseren ganzen Vereinsgremien im Eiltempo und unter lauter Trommeln für den Erwerb der Tupolev geworben. Dies wurde genehmigt und ich habe ein Angebot abgeliefert. Selbstverständlich war ich beim Angebot extrem konservativ. Mit dabei war der Transport von Moskau bis Mannheim. Nun war der Absturz der französischen Concorde. Dies hat die russische Delegation verunsichert und so wurde unser Angebot sofort angenommen.

Die russischen Partner transportierten die Tupolev 144 über die Moskwa durch Moskau. Es gibt hier schöne Fotos vom Kreml. Danach bis nach St. Petersburg, in St. Petersburg wurde die Tupolev in ein Küstenmotorschiff umgeladen. Dies fuhr die Küste entlang bis nach Rotterdam und dann den Rhein hoch bis Mannheim. Damals hatten wir noch nicht gelernt, dass ein Transport ein Mega-Event sein kann. Wir haben sehr scharf auf die Kosten geschaut und so konnte man die schöne Tupolev immer nur von Brücken und erhöhten Punkten fotografieren, sonst hat man sie nicht gesehen. Interessierte sollten sich einmal die Transport DVDs von Tupolev, Jumbo-Jet und Concorde anschauen. So ist hier ein klarer Lerneffekt zu erkennen.

Die russische Delegation unter Führung von Herrn Pukhov übergab uns die Tupolev ganz feierlich in Mannheim, wo wir vom Küstenmotorschiff auf ein Neckarschiff abluden. Dann ab nach Heilbronn und am Schwerlastkai im Heilbronner Hafen fuhren wir dann stolz mit unserer Tupolev über Landstraßen und die Autobahn zum Museum. Mein Traum war die Tupolev in Startposition auf unser Museumsdach zu stellen. Mit Flugzeugen auf Stützen hatte ich schon einige Erfahrungen sammeln können und dies sollte die Krönung werden. (Das Prinzip habe ich bei Flugmodellen abgeschaut. Die Idee war, diese in 1:1 zu machen) Ein Modellflugzeug zu kopieren in 1:1 hört sich schlüssig an, war in der Durchführung jedoch relativ schwierig. So ruht die Tupolev auf Fundamenten, die 1.600 Tonnen wiegen, als Gegengewicht zum Flugzeug. Die Autobahnbehörden haben uns verpflichtet, die Tupolev im vorderen Bereich der Halle zu stellen. Ich sagte damals dazu (im absoluten Größenwahn), dann haben wir ja noch Platz für die Concorde. Dass dies nachher so gekommen ist, ist aber eine ganz andere Geschichte.

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